"Früher haben wir oft von morgen geträumt - Heute träume ich oft von gestern."
- Nocte Obducta
musik bewegt viele von uns. vor allem bringt sie oft verborgene gefühle zum vorschein, von denen wir bis zum zeitpunkt dieser reaktion vielleicht noch nichts wussten. ich bin einer der menschen, denen musik nahezu alles bedeutet, bzw. deren größtes hobby darstellt. und so kam ich auch zu der idee dieses eintrags.
was für gefühle empfindet man wohl bei der aufnahme seines abschiedalbums?
ein letztes musikalisches lebenszeichen seiner band aufzuzeichnen erfordert viel kraft und mut, vor allem aber auch konsequenz. denn nichts ist für die eingefleischten fans enttäuschender als die nachricht von der auflösung. man mag seine anhänger zwar nicht verlieren (denn schließlich gibt es ja noch die altbekannten CDs), jedoch sieht es auf der anderen seite ganz anders aus: die fans verlieren ihr idol, können es nicht mehr in fleisch und blut, als konstellation oder ähnliches live bestaunen. regelmäßige konzertgänge gehören der vergangenheit an; die band als solche stirbt.
den aufnahmeprozess des albums stelle ich mir jedoch so vor wie jeden anderen auch, nur etwas... spezieller. man steckt vielleicht viel mehr leidenschaft und herzblut als sowieso schon in die songs, vielleicht gibt es auf der platte als sahnehäubchen auch etwas ganz besonderes oder wegweisendes zu hören, vielleicht beschreitet man auf seiner letzten scheibe auch ganz andere musikalische pfade oder bleibt seinen wurzeln treu, wenn man vorher schon irgendwelche experimentellen phasen durchlaufen hat. letztendlich machen diese punkte das album jedoch nicht besonders. es ist die situation als ganze, die diese CD als etwas besonderes erscheinen lässt. und erst wenn die letzten töne des musikers verhallen, blickt man zurück auf seine laufbahn; eine wundervolle wanderung, deren wege mit sicherheit gespickt sind mit unzähligen schlaglöchern und mehr oder weniger großen steinen.
ähnlich verhält es sich auch mit den menschen. man weiß, dass das was man tut, nicht von dauer sein wird. wenn man sein letztes lied des lebens spielt, kann man sich sicher sein, dass es wohl oder übel, früher oder später, zu einem ende kommen wird. und wenn es dann soweit ist, kann man sich ebenso sicher sein, dass man seine "fans" um keinen preis der welt verliert. sie sind mitgewandert auf dem pfad der existenz, beschritten sowohl breite straßen, als auch engpässe, die auf ihre art und weise befreiend und glückselig waren. hin und wieder hat man vielleicht auch einen schlechten song gespielt, eventuell auch buh-rufe kassiert; aber alles in allem war es mit sicherheit eine umwerfende show. und wer kann schon sagen, was nach der "bühnenpräsenz" auf uns wartet? mit sicherheit wird unser "abschiedsalbum" in den höchsten tönen gelobt.
Jules